Im Frühjahr 1997 konnte ich unweit meines Heimatortes ein 4500 qm großes Grundstück samt Wohnhaus, Scheune und Nebengebäude erwerben und ein ähnlich großes Stück Wiese mit Entwässerungsgraben dazu pachten.

Schon im Herbst 1996 gestatteten mir die Vorbesitzer, die von der vorigen Arbeitsstelle (Staudengärtnerei der Gärtnerhof GmbH in Berlin) mitgebrachten Stauden auf dem umgepflügten, gefrästen und umgegrabenen Land aufzupflanzen.
Nachdem eine Zufahrt und ein Parkplatz gebaut waren, begann im Mai 1997 die erste Verkaufssaison mit selbst produzierten Stauden. Noch im Herbst desselben Jahres wurde noch ein Gewächshaus aufgestellt. Seither lasse ich die Gebäude nach und nach sanieren und erschließe und gestalte etappenweise das Gelände, mache meine Erfahrungen mit dem Boden (Endmoränengebiet, d.h. lehmiger Sand mit einer Ackerwertzahl von ca. 29) und dem Wetter und den Stauden.

Ich habe im Laufe der Jahre unterschiedliche Gestaltungsideen ausprobiert. Es entstand z.B. ein Staudenlabyrinth mit sieben Umgängen und einem Durchmesser von 22 Metern. Das sah von oben sehr schön aus und war natürlich eine unkonventionelle Idee – letztlich erwies es sich aber als zu unpraktisch und wich einer Gestaltung mit großzügigeren Beeten.

Neben den Stauden liebe ich Apfelbäume und habe nach und nach etliche alte Sorten gepflanzt. Sie geben dem Garten etwas Schatten, die Insekten lieben die Blüten und Früchte und ich habe immer einen stattlichen Wintervorrat an Äpfeln und Apfelsaft im Haus.

Mein Gartenstil entwickelte sich aus meiner Vorliebe für wiesenartige Biotope. Ich suche nach attraktiven Staudenkombinationen, die relativ lange ohne viel Pflege am Leben bleiben und möchte auf diese Weise das ganze Sortiment sinnvoll vergesellschaften. Einige Beete und Bereiche kommen meinen Vorstellungen schon sehr nah. Die Herausforderung dieses Konzeptes ist, dass es immer unerwartete Entwicklungen innerhalb der Beete gibt, auf die ich mich dann einlassen kann oder auch nicht. Für mich ist dies sehr spannend und ich möchte auch meine Besucher ermutigen, sich auf so ein Abenteuer einzulassen. 

Reisen zu anderen Staudengärtnereien (z.B. Niederlande, Frankreich, Großbritannien, Schweiz, Österreich) und die Teilnahme an Staudenseminaren sorgen für eine stetige Erweiterung des Sortimentes und geben neue Denkanstöße. Zum Beispiel sind die neu entdeckten nordamerikanischen Präriestauden eine Bereicherung, wenngleich sie nicht alle auf meinem Boden wachsen wollen. Der muss ohne die Versorgung mit eigenem Kompost auskommen (zu viel Arbeit, zu viel Unkraut). Stattdessen dünge ich einmal pro Jahr mit einer Mischung aus Bentonit und organischem Volldünger.

In den letzten Jahren ist die Änderung des Klimas nicht spurlos an der Bewirtschaftung des Gartens vorüber gegangen.  Besonders die langanhaltenden Trockenperioden im Sommer und späte Fröste im Frühjahr sind nicht für alle Stauden gleich gut zu verkraften. Das Sortiment ändert sich dadurch langsam und unaufhaltsam. Mehr oder weniger heimische Wildstauden rücken immer mehr in den Mittelpunkt meines Interesses. Und so bleibt mein Gärtnerinnenleben spannend und abwechslungsreich.